Und sie bauen sie DOCH!

Nun war es endlich soweit.
Am Samstag, den 8. März trafen sich Neonazis und Rechtspopulisten von „Die Freiheit“ und der „Bürgerbewegung Pro Bayern“ (und angeblich sogar einige lokale CSU-Politiker!) um gegen den Moscheebau in Schrobenhausen zu hetzen.
Die Gegenkundgebung unter dem Motto „Der Hetze entgegentreten“ , bei der wir uns zum Unterstützerkreis zählen durften, begann um 10:30 am Lehnbachplatz gegenüber der Kundgebung des Braunes Mobs, wobei man dazu in diesem Fall eher „Möbchen“ sagen müsste.

Unsere Kundgebung begann 2 Stunden vor der Hasspredigt der Islamgegner.
Der Ablauf verlief wie folgt: Wir bauten auf, informierten Passant/-innen, und sahen uns um.Man merkte, die Bevölkerung war größtenteils auf unserer Seite, auch wenn sie nicht unbedingt an einer Seite mit uns „kämpfen“ wollten, blieben sie, um unsere Botschaften zu hören.
Es gab einen Redebeitrag der Ingolstädter Linksjugend „Solid“, die auf die fehlerhafte Argumentation der Ideologie Pro Bayerns hinwies, sowie dass die bayerische Kultur eine offene und tolerante sei. Vom DGB gab es ebenfalls eine Solidaritätsbekundung, das „Sininger Bündnis gegen Rechts“ sprach davon, dass sie früher das selbe Problem in ihrem Städtchen hatten und sich erfolgreich wehren konnten, und zu guter Letzt, ein Redebeitrag von uns, der Gruppe „La Resistance“, der das allgemeine Thema um Pro Bayern und ihrer Hetze noch einmal genauer definierte.

Zwischenzeitlich gesellten sich unter die Zuschauer/-innen 3 Personen aus der lokalen Neonazi-Szene, die unentwegt Bilder von uns machten.
Das nahmen wir zum Anlass, unsere Transparente zusammenzuknoten, damit der Schutz der Demonstrant/-innen gewährleistet blieb, den uns die Polizei nicht geben konnte/wollte.

Die Polizei war mit einem großen Maß an Aggression und Konfrontation anwesend. Unter anderem sperrten sie den ganzen Platz ab und liesen die Demonstranten die Veranstaltung nicht mehr verlassen. Während wir am Höhepunkt ca. 80 Menschen waren, standen ca. 30m von uns weg 30-40 Nazis und Rechtspopulisten.

Erschreckend war hierbei nicht nur das sehr junge Durchschnittsalter der Moscheegegner.
Während von unserer Seite laute Musik und Parolen die menschenverachtenden Reden „Pro Bayerns“ überdeckten, standen ca. 40 engagierte Personen um das rechte Grüppchen herum, um sie mit Pfeifen und Buhh-Rufen erfolgreich zu übertönen. Nach einer Rede von Stefan Werner über Patriotismus ,der angeblich in Bayern verwurzelt ist sowie weiteren unzähligen Lügen ordnete sich das Grüppchen in 3er Reihen an, um wenigstens etwas an eine Länge eines Demonstrationszuges zu kommen und begannen ihren Demozug.

Ab diesen Zeitpunkt begann ein Katz- und Mausspiel.
Antifaschisten (darunter auch Passant/-innen) liefen den Nazis hinterher, insofern sie den abgesperrten Bereich verlassen konnten.Sobald es seitens Pro Bayerns eine Zwischenkundgebung gab, wurde diese lautstark übertönt (die Gastrednerin von „Die Freiheit“ gab sogar ganz auf).
Es wurde mehrmals versucht, vor den Demozug zu gelangen, um diesen zu blockieren.Allerdings wurden dabei 2 Demonstranten festgenommen, der Rest der Pro Bayern – Gegner brutal von der Polizei, teilweise mit Schmerzgriffen, aus dem Weg geräumt.

Daraufhin versuchte die Polizei die couragierten Bürger und Demonstranten von der Demo fernzuhalten, was sich letztlich zu einem Parcourlauf durch Schrobenhausen entwickelte, immer mit dem Ziel,um die Polizei herum vor die Demo zu kommen. Die kleine Demo der Rechtsextremen endete letztendlich an der Stadthalle am Busbahnhof. Dort gab es eine Abschlusskundgebung von „Pro Bayern“, mit großen Worten wie „Wir bekommen die 25.000 Unterschriften gegen den Moscheebau…“.Fakt ist jedoch, dass der Moscheebau schon längst beschlossene Sache ist! Nicht zu vergessen ist das „besondere Grußwort“ an „eine besondere Partei, ja die meisten werden es schon wissen, einige Mitglieder der örtlichen CSU, die uns heute beiwohnte.“. Man rätselt noch immer, ob dies nur mit der Absicht einer Kontroverse gesagt worden ist, oder es ernst gemeint war. Wäre ja nicht das erste Mal, dass CDU/CSU-Mitglieder auf solchen Aufmärschen teilnehmen.
Besonders bei der Abschlusskundgebung stachen mehrere vereinzelte Rechte mit ihrem Verhalten hervor. Gerade zu kindisch und unreif verhielten sie sich mit verschiedenen Aussagen und Gesten. Man musste unwillkürlich daran denken, ob sie überhaupt wussten, weshalb sie dort zu dieser Zeit waren. Während der gesamten Abschlusskundgebung wurden fragwürdige Parolen skandiert, unter anderem „Wir sind das Volk“ und „Bayern des samma mia“. Das es sich bei „Pro Bayern“ und „Die Freiheit“ nicht um eine bürgerliche Protestbewegung handelt, kann man gut an überklebten verbotenen Tattoowierungen, T-Shirts wie „Aryan Brotherhood – Supporter“ der Teilnehmer erkennen, sowie der mehrmals gerufenen Parole „ROTES GEZETER 9mm“.

Während die Rechten am Busbahnhof langsam den Rückzug antraten, wurde auch die Gegenkundgebung am Lenbachplatz offiziell aufgelöst.Doch als die Gegenkundgebung gerade aufgeräumt und zusammengepackt wurde, hielt ein Auto auf die Teilnehmer/-innen zu. Insassen waren 2 junge rechte Demoteilnehmer,die anscheinend versuchten, uns mit andauerndem Hupen zu verscheuchen.
Dass es sich anscheinend um eine Kamikazeaktion handelte um für Gesprächsstoff zu sorgen und gegen uns Stimmung zu machen erkannte man dadurch, dass die Insassen mit offenem Fenster und offenen Türen auf ca. 20 Gegner/-innen zu fuhren. Nach einer verbalen Auseinandersetzung verschwand das Auto ebenso schnell, wie es gekommen war. Bereits am Abend war schon in verschiedenen rechten Foren zu lesen: „20 Linksfaschisten überfallen eine 18 Jährige im Auto“. Ein Überfall fand nicht statt.
Dies zeigt, dass anscheinend für solche Aktionen in Kauf genommen wird, eigene Mitglieder der Gefahr für Leib und Leben auszusetzen, um Pressewirkung zu erzielen.

Die ca.30-40Teilnehmer/-innen der rechten Demonstration setzten sich wie erwähnt zusammen aus „Pro-Bayern“ und „Die Freiheit“ Anhänger/-innen. Auch Angehörige des Regionalen NPD-Dunstkreises und der rechten Jugendszene waren Anwesend.
Ob Mitglieder der CSU auch unter der Gruppe waren, kann bis jetzt nicht eindeutig bestätigt werden – wir bitten um Hinweise.

Organisiert wurde der islamfeindliche Aufmarsch von dem 34-jährigen Münchner Stefan Werner, der vor „Pro-Bayern“ in der Rechtsextremen „Deutschen Partei“ und davor in der „NPD“ aktiv war.

Update: Kurz nach dem 1. Aufmarsch in Schrobenhausen tauchte ein Countdown auf der Homepage von „Pro Bayern“ auf.
Außer besagten Countdown ,der zeitweise offline ist, weist nichts auf einen erneuten rechten Aufmarsch hin.
Dennoch sollten sich AntifaschistInnen wie auch couragierte BürgerInnen am 22. in Schrobenhausen treffen um die Augen offen zu halten oder schlimmeres zu verhindern.